9. Mai 2024

bb-Marktübersicht: Wärmegedämmte Systemkonstruktionen

Wachsende Konkurrenz

Der Gebäudebestand als Wertstoff-Senke wird künftig deutlich an Bedeutung gewinnen. Foto: bauelemente bau

Bei der Weiterentwicklung von Aluminium- und Stahl-Profilsystemen hat über viele Jahre die Optimierung der Wärmedämmung die wichtigste Rolle gespielt. Wenn es darum geht, den CO2-Fußabdruck so weit wie möglich zu reduzieren, sind aber vielfältige und tiefgreifendere Maßnahmen nötig. Ein Ansatz ist der Einsatz von Legierungen, die zu einem möglichst hohen Anteil aus Aluminiumschrott bestehen. Sowie die Optimierung der Konstruktionen unter dem Gesichtspunkt einer bestmöglichen Ressourceneffizienz. Dank der Unterstützung aller für den deutschen Markt relevanten Systemhäuser wollen wir unsere Leser informieren, wie weit die Unternehmen dabei vorangekommen sind.

Mit der Entwicklung der Legierung Hydro Circal 75R hat der norwegische Konzern Norsk Hydro den ersten Pflock eingeschlagen und mit der Einführung von Legierung mit einem Mindestanteil von 75 Prozent End-of-life Aluminium (Altschrott) Maßstäbe gesetzt. Um bald darauf mit der Legierung Hydro Circal 100 R mit einem Anteil von 100 Prozent Aluminium-Schrott noch einmal nachzulegen. Mit den Legierungen, einem deutlich reduzierten Fußabdruck und einem geschlossenen Wertstoff-Kreislauf haben auch die Verarbeiter gute Argumente in den Verhandlungen mit Bauherren und Investoren, wenn es darum geht, eine Gebäudezertifizierung zu erreichen.

Nachdem das Systemhaus Hueck durch die Norsk-Hydro-Gruppe übernommen wurde, profitieren auch die Kunden von Hueck, da ihr Lieferant auch den Zugriff auf diese Legierungen hat.

Die Antwort von Schüco ließ nicht lange auf sich warten. Zur Bau 2023 wurde ein modulares Konzept zur Dekarbonisierung der Gebäudehülle vorgestellt. Der recht breit konzipierte Ansatz fasst unter dem Begriff „Carbon Control“ alle Produkte und Services zusammen, die Planer und Verarbeiter entlang der Phasen Planen, Bauen, Betreiben und Rückbauen dabei unterstützen, den CO2-Fußabdruck von Fenstern, Türen und Fassade zu minimieren. Zudem wurde das Portfolio um die zwei neuen Aluminiumgüten Schüco Low Carbon Aluminium (LC) und Schüco Ultra Low Carbon Aluminium (ULC) ergänzt. Zudem wird die Möglichkeit geboten, mithilfe der Software SchücCal gewissermaßen auf Knopfdruck den CO2-Fußabdruck der gewählten Konstruktion zu bestimmen.

Wann die anderen Systemhäuser nachziehen, ist nur eine Frage der Zeit, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben und eine Antwort auf die Frage nach nachhaltigen Konzepten und geschlossenen Wertstoff-Kreisläufen haben möchten.

Urban Mining organisieren

Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob für den zu erwartenden Bedarf überhaupt so viele Altfenster, -türen und -fassaden zur Verfügung stehen, um auf breiter Front diese neuen Legierungen anbieten zu können. Die Voraussetzung dafür ist ein selektiver Rückbau von Abbruch-Immobilien, der Verluste des wertvollen Materials so weit wie möglich vermeidet. Und es gilt, das so gewonnene Material in Kreisläufen zu halten. Eine möglichst intensive Zusammenarbeit mit der deutschen Recycling-Initiative A|U|F ist daher geboten.

Oder aber mit dem AIT Austrian Institute of Technology mit Sitz in Wien, welches das EU-Projekt RecAL leitet, das Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizenz in der Aluminiumindustrie im Fokus hat. Ziel ist es, neue Recycling-Technologien und eine digitale Plattform für kreislauforientierte Aluminiumwirtschaft zu entwickeln.

Neue Anbieter, neue Konstruktionen

Schon länger bieten einige Kunststoff-Systemhäuser Fensterkonstruktionen mit einer Aluminium-Deckschale an, die mit einer betont kantigen Profilierung den Elementen den Look eines Aluminium-Fensters verleiht. Hinzu kommen Konstruktionen wie das „verschweißbare Aluminium-Fenster“ AluConnect von Veka. Bereits im Werk werden auf das tragende Kunststoff-Profil die Aluminiumschalen auf der Innen- und Außenseite aufgeklebt. Für die Verarbeitung der Profile sind daher spezielle Schweißmaschinen nötig, die in der Lage sind, die Aluschalen entsprechend dem Abbrand zurückzufräsen. Dieser Arbeitsschritt kann aber auch auf dem Bearbeitungszentrum ausgeführt werden.

Zum Einsatz kommen die Elemente überwiegend im Gewerbsimmobilien beziehungsweise gemischt genutzten Gebäuden. Dabei wird auf eine Kombination von Voll-Aluminium-Fenstern und -Türen im Erdgeschoss gesetzt, diese werden aber aus Kostengründen mit Kunststoff-Fenstern mit Aluminium-Deckschalen in den oberen Stockwerken kombiniert. Die Voraussetzung dafür schaffen die Systemhäuser mit gleichen Profilansichten.

Eigene Profilkonstruktionen vorgestellt

Darüber hinaus haben auf der Fensterbau mit aluplast sowie profine gleich zwei Systemhäuser reine Aluminium-Fenster und -Türen-Konstruktionen präsentiert. Dabei handelt es sich um Eigenentwicklungen, die primär für den Vertrieb in südeuropäischen Ländern und anderen Export-Märkten entworfen wurden.

Noch handelt es sich dabei – gemessen am Programm der etablierten Systemhäuser – um ein recht schmales Angebot an Systemkonstruktionen. Das erklärt, warum diese Unternehmen in der diesjährigen Marktübersicht noch nicht berücksichtigt sind. Wir behalten jedoch die weitere Entwicklung im Auge.

Die Marktübersicht der wärmegedämmten Systemkonstruktionen startet in der Mai-Ausgabe von bauelemente bau auf der Seite 101.

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